Timo Meyer

Heimat ĂĽberall!

Timo Meyer lebt und arbeitet in Waiblingen. Zur Malerei kam er auf Umwegen zurück. Schon während der Schulzeit begleitete ihn seine Leidenschaft und Begabung für die Kunst, speziell für die Malerei. Er entschied sich jedoch nicht sofort für diesen Weg, sondern begann ein Design Studium. Nachdem er an der Merz Akademie seinen Master of Art erfolgreich erreichte, zog es ihn in die Welt. Er verbrachte mehrere Jahre in Spanien und entdeckte in dieser Zeit wieder seine Liebe zur Kunst.

Mittlerweile hat Timo Meyer seinen Traum in die Tat umgesetzt und arbeitet in seinem über 200qm großen Atelier an diversen Werken. Seine Bilder sprechen ihm dabei direkt aus der Seele. Wer den sympathischen und offenen jungen Mann kennt, ist gelegentlich von der Fülle an Gefühlen und Stimmungen seiner Bilder überwältigt.

Kunst und vor allem die Malerei sind für Timo Meyer das zentrale Kommunikationsmedium. Kunst ist für ihn der Schlüssel zur Welt, der Weg zu sich selbst und der Spiegel der Seele. Daher sind Timo Meyers Werke ein Feuerwerk der Gefühle, voll Leidenschaft und Emotionalität. Der Künstler lässt den Betrachter tief blicken, in sich, in andere und in gesellschaftliche Verhältnisse. Dabei bedient sich Timo Meyer einer bildhaften und symbolischen Sprache. So ermöglichen Timo Meyers Bilder mehrere Einflugschneißen und führen zur Kommunikation. Der Dialog ist eröffnet.

Timo Meyer ist seit 2005 auf seinem Weg. Die letzten Jahre hat er hauptsächlich nur für sich gemalt. Er wollte sicher sein, in sich gefestigt, um dann den Sprung in die Kunstwelt auch wirklich bestehen zu können. Um sich über Wasser zu halten, arbeitete er hauptsächlich auf dem Bau. Er präferierte die körperliche Arbeit, da er seinen Kopf für die Arbeit an seinen Bildern brauchte.

Sieben Jahre später fĂĽhlt sich Timo Meyer bereit, seine Bilder der Ă–ffentlichkeit zu zeigen. Seine erste Einzelausstellung “Timo Meyer” (Strzelski Galerie, Stuttgart) beschäftigt sich mit dem Thema “Heimat”. Aufgrund seiner eigenen Biographie, Lebensgeschichte und Lebenssituation, aber auch aufgrund diverser Auslandsaufenthalte und der damit verbundenen RĂĽckkehr, spielt das Symbol der Tanne als Platzhalter eine zentrale Rolle.

Die Suche nach dem eigenen Standpunkt, der eigenen Wirklichkeit kann beginnen. Timo Meyer war und ist auf der Suche. “Heimat” – Verortung, Beheimatung und Ankommen, dies spiegelt sich in seinen aktuellen Werken wider…

Wie auch die Tannen in seinen Bildern ihren Platz behaupten, so war auch Timo Meyer bei der Suche nach seinem Platz erfolgreich. Heimat im Herzen, Heimat vor Ort, Heimat in sich… Heimat überall!

 

Biografie

geboren 1977 in Waiblingen.

 

1999-2003Diplom (FH) der visuellen Kommunikation an der Merz Akademie, Hochschule fĂĽr
Gestaltung, in Stuttgart.

2001-2003European Master in Media and Art an der Merz Akademie in Stuttgart in
Kooperation mit der Universität von Portsmouth/England.

2004-2005Gast-Kunststudium Universidad Complutense de Madrid (u.a. bei Prof. Manuel
Parralo Dorado).

2006Aktstudium an der Reichenhaller Akademie bei Markus LĂĽpertz mit Assistent
Armin Tölke.

2008Bildhauersymposium in der Kunstschule unteres Remstal bei Reinhard Jochem,
Waiblingen.

 

Ausstellungen

2014Paper – Chinese-Korean-German Artists Paper Works Exhibition –
Gruppenausstellung, With Space Gallery, 798, Beijing.

2013Jukebox-buggy – Einzelausstellung, Strzelski Galerie, Stuttgart.

2012Abgrund und Pathos – Sonderausstellung, Galerie Michael Schultz, Berlin.

Timo Meyer: Malerei – Einzelausstellung, Strzelski Galerie, Stuttgart.

2011International paper works – Gruppenausstellung, With Space Gallery/798 District,
Beijing.

2010Coinciding at the Wall – Gruppenausstellung, With Space Gallery/798 District,
Beijing.

2008Skulpturenpark – Dauerhafte Sammelausstellung, Coop. Kunstschule unteres
Remstal/Galerie Stihl, Waiblingen.

2006Meeting Point – Gruppenausstellung, Städtische Galerie Bad Reichenhall.

Thoughts – Gruppenausstellung, Gallery Studio 5, Javea, Spanien.

Imitation of life – Einzelausstellung, Gallery Studio 5, Javea, Spanien.

Room Collage – Gruppenausstellung, GalerĂ­a Carmen de la Guerra, Madrid,
Spanien.

2005Colectiva – Gruppenausstellung, GalerĂ­a Argar, AlmerĂ­a, Spanien.

Pulstreiber (Kunst und Kulturfestival) – Gruppenausstellung, alte Zigarrenfabrik,
Heilbronn.

2002Lange Nacht der Museen – Gruppenausstellung, Atelier Kontrast, Heinsteinwerk,
Heidelberg.

 

Messebeteiligungen

ART.FAIR Köln

Art Karlsruhe

Art Miami

 

Auszeichnungen

1997 1. Platz und Ehrenauszeichnung der Stadt Waiblingen.

1996 1. und 3. Platz The Scholastic Art Awards, New Mexico/USA.

 

Presse und Texte

ZVW, Nr. 135, Samstag  14. Juni 2014, von Jörg Nolle

Der Dialektiker der Kunst

Wie sich der Maler Timo Meyer seine Thesen und Antithesen selber schafft – ein Besuch im Atelier in Hegnach

Er weiĂź, er ist noch nicht der fertige KĂĽnstler mit der Aura der Unverwechselbarkeit. Kann es mit 36 Jahren auch noch nicht sein. Timo Meyer, der Suchende, hat beim Malen immerhin einen Kompass in der Hand. Und Hegel im Kopf, wonach es zu jeder These auch ein GegenstĂĽck gibt. Der produktiven Verunsicherung wegen.

Von unserem Redaktionsmitglied Jörg Nolle

Der Gang zum all Tag tätigen Maler Timo Meyer führt diesmal nicht über einen versifften Hinterhof. Von wegen Brache, die Blüten treibt. Im Hegnacher Gewerbegebiet, in dem seine Eltern eine Firma für Bauabdichtungen haben, geht der Weg korrekt über die Klingel mit Aufschrift „Atelier“. Der Eintritt dann ins Reich hat so gar nichts mit dem Eindringen in ein Refugium zu tun. Eine halbe Etage, 200 Quadratmeter, steht hier zur freien Verfügung, Licht von drei Seiten. Die ständige Ausstellung geht weiter in der alten Junggesellenwohnung. Komfortabel!

Da ist er wieder, der Ruf nach dem harten Weg, den ein Künstler zu gehen hat, um zur Letzttiefe des Existenziellen zu kommen. Eine Heizung in diesen Grotten des Schöpfertums gilt da schon als dekadent.

„We are the Mittelstand“ texteten einst die Fantastischen Vier, und gaben damit dem HipHop neuen Spielraum der Generationen- und Geschmäckeransprache. Nehmen wir den erstaunlich zu nennenden Output von Timo Meyer: Was ist dagegen zu sagen, wenn einen die kunstsinnige Mutter früh an die Hand nimmt und einem Dali vor Ort, in Spanien, nahe führt. Oder wenn zuhause die Bildbände und Künstlerbiografien sich stapeln zur Ansicht. Es darf einem auch nicht zur Last gelegt werden, wenn einer ausbildungsmäßig eher den sicheren Weg gegangen geht. Ein Platz an der Merz-Akademie als Grafikdesigner erscheint einem und den Eltern erst mal als angewandter und ökonomisch. Nein, das sollte einen nicht stören. Mal wieder kommt es darauf an, was man, hier: Meyer, draus macht.

Man schaue aufs Ouevre, das ja letztlich einzig zu gelten hat. Neben der erstaunlichen Tatsache, dass der relativ junge Künstler Meyer bereits zwei Galeristen gefunden hat, darunter im absolut angesagten Drehkreuz Berlin. Seine Homepage lässt einen Spalier sehen und gehen am Werk eines nicht fertigen Mannes der Malerei. Eines zum Glück nicht fertigen. Im Rahmen seines Merz-Studiums sind ihm eben auch die theoretischen Werke der Postmoderne-Diskussion untergekommen. In der zunächst alles erlaubt war. Und es trotzdem keinen Bonus geben darf für schnell Hingemaltes.

Meyer bedient manches. Das Metaphysische, wie wir es von den Italienern kennen –etwa bei „Der gehörnte Mann“. Den sozialen Realismus bei „Demografisches Kopfweh“, oder dann „Regionalstolz“. Die Spiegelung des Selbst mit Raffinement in „Einer flog übers Künstlernest“. Soweit, so vielfältig. Aber beliebig?

Nein, sicher nicht. Der lange Aufenthalt in Spanien nach der Schule hat ihm seinen Heimatbegriff geschärft. Der dunkle deutsche Tann, symbolisiert in der Tanne, dräut dunkel, dann wieder leuchtfarben brennend in Vorder- wie Hintergründen. Und wenn bei „Freimut“ das Mädchen schaukelt, ihr der Fahrtwind das Kleidchen hochschiebt, vom Hintergrund aus aber knittrig, milchig der Staatsforst rund um den Stuttgarter Fernsehturm nach vorne drängt und die Figur umspült, sie bald umklammert, dann spüren wir: Die Bezähmung der Natur, unserer inneren Natur, die Sublimierung, wie es bei Freud heißt, der Prozess der Zivilisation frei nach Norbert Elias – das alles ist so dünn wie die Tünche eines Fassadenmalers.

Das Quadratische der Orte der Aborte

Der Kunstmaler Meyer aber bricht regelmäßig die vorgehängte Fassade auf, reißt den Schleier weg, öffnet regelrecht Reißverschlüsse dort, wo sie kein Schneider der Herrenausstattung platzieren würde. Dann zeigt der Maler mit Bewusstsein das kleine Karo unserer Selbstbeherrschung. Gern geben wir uns die klare Kante, wollen sachlich und rational sein. Wir fliesen und kacheln uns unangenehme Räume, alle möglichen Orte der Aborte und des Leichenschauhauses. Quadratisch sind auch die Muster der schieren Rationalität, die Meyer gegen Figur, ob Mensch oder Tanne, in Stellung bringt. Rechtwinklig, wie abgezirkelt. Wobei, die Farbmuster purzeln durcheinander, sind wild und knallen wie ein Konterpart – da haben wir ihn wieder: den Umschlag in die Antithese, sobald wir glauben, uns unseren Timo Meyer an die Wand nageln zu können.

Er spricht dann ansatzweise mal von den Zumutungen einer Wirtschaftsweise, die uns alle zu Kapitalisten macht. Zu Gewinnerzielern auf Kosten anderer. Man will gar nicht genau nachfragen, welche aktuelle Analyse da jetzt dahintersteckt. Einen gefestigten Klassenstandpunkt wird er nicht haben – als Kind des Mittelstandes. Aber darum geht es auch gar nicht

Es ist Kunst. Sie muss rätselhaft sein. Aber für sich das eine oder andere Rätsel zu knacken, das macht Lust anhand Meyers Bildwelten. Jeder für sich, bittschön. In diesen Welten darf man sich verlieren. Und kommt auf dem Weg der Selbsterkenntnis gestärkt aus dem dunklen Tann wieder heraus. Und wer sich so schnell nicht wiederfindet: umso besser.

 

WKZ – Rems-Murr Rundschau, Nr. 60, Donnerstag 13. März 2014, von Jörg Nolle

Gang nach Karlsruhe

Meyer und Adler – zwei, die zur Kunstmesse dürfen

Von unserem Redaktionsmitglied Jörg Nolle

Karlsruhe/Waiblingen. Sie ist einfach die wichtigste Leistungsschau der Kunst hier im Südwesten, die Art Karlsruhe. Der Künstler ist im Vorteil, der die Gnade eines Galeristen gefunden hat. Und der ihn dann auch mitnimmt in die Kojen der Art Karlsruhe. Einigen Künstlern aus dem Remstal ist es vergönnt.

Die Weihen sind, sagen wir, mittelgroĂź. Niemand hier aus der Umgebung darf hoffen, auf der Art Basel unterzukommen. Diese Schau ist endgĂĽltig abgespaced ins Extraterristrische der sonderbaren Ă–konomie Kunstmarkt.

Der Waiblinger Bildermacher Timo Meyer darf sich gar durch die Galerie Michael Schultz gut vertreten fühlen. Diese Agentur hat ihren Sitz in Berlin, was auf diesem verrückten Markt schon mal die halbe Miete bedeutet. Sie hat zudem Dependancen in Seoul und Peking – dort, wo das neue große Geld sitzt. Schultz vertritt oder dealt mindestens mit Werken von Penck und Norbert Bisky.

In den Karlsruher Messehallen zeigt Meyer unter anderem seine fast lebensgroßen Tannen. Heimat ist ihm wichtig, sein Atelier findet sich denn in der Geburtsstadt, und die (Waiblinger) Tanne ist ihm so etwas wie der Platzhalter, wenn der 1977 Geborene doch in die weite Welt muss. Schließlich hat er nach seinem Design-Studium an der Merz-Akademie in Spanien und England zur Freiheit des malerischen Ausdrucks gefunden. Auf Meyer Referenzliste findet sich auch ein Markus Lüpertz – beim Großmeister hat er einen Kurs belegt.

Der Schorndorfer Wunderwelten-Maler Andreas Heinrich Adler hat längst seinen Stammgaleristen. Ist vertreten jetzt jüngst mit klassischen Adlers. Sein so wunderbar urweltliches Sonnen-Univerum findet sich, aber auch die magischen Ringe aus seltenen Erden. Wir haben ja gelernt, dass im Boden Kräfte schlummern, Substanzen, die unsere Klugtelefone erst richtig smart machen. Adler wusste schon immer, was es da zu schürfen gibt. Weiter zu den Ausstellenden aus dem Remstal gehören Gert Riel, Franziksa Schemel und Thitz.

 

Stuttgarter Zeitung, Nr. 85, Freitag, 12. April 2013, Lei

Prinzip Malkasten

Stuttgart.

Rosa Berge und rote Tannen und eine Eimerladung gelber Flüssigkeit, die durchs Bild schwappt. Timo Meyer schafft Naturbühnen nach dem Malkastenprinzip, wobei die Soloausstellung des Waiblingers in der Galerie Strzelski speziell durch das doppelbödige Verhältnis von Abstraktion und Gegenstand interessant ist. Behandelt der Absolvent der Merz-Akademie die Farbe doch nicht nur als feste Materie, die sich surreal verflüssigt, sondern auch als bunte Membran, durchbohrt von leuchtend kolorierten Vierkantstäben. Löcher haben schließlich noch jede Fläche zum Raum gemacht. (lei)

 

WKZ, NR. 78, Donnerstag, 4. April 2013, von Jörg Nolle

Meyers Maler-Lexikon

Wie ein junger Waiblinger den Menschen in seine Fantasien einbettet

Waiblingen/Stuttgart

Rollerkinder brettern durchs Farbsatt Schneegestöber. Was wir aktuell mit vollem Herzen bejahen, hat als Kunst aus den Händen des jungen Malers Timo Meyer eine garantiert längere Halbwertszeit. Ein Galerist ist gefunden, morgen ist Vernissage für die Schau „jukebox-buggy“.

Salvador Dalí macht auf Kinder einen ungeheuren Eindruck. Ein toller Kinderbuchautor müsste schon arg seine Fantasie strapazieren, um sich eine solch frei herumschwirrende Existenz auszudenken mit einem so langen Schnurrbart. Und dann: Was dieser Maler mit den Dingen anstellt! Ein Hexer, der keinen Hokuspokus braucht. Keinen Zauberspruch und keine zermahlenen Mäusezähne.

Der kleine Timo Meyer hat seinen Salvador Dalí kennenlernen dürfen mit Hilfe kundiger Führung. An der Hand seiner Mutter Waltraud. „Das Surreale, das habe ich schon aufgesogen, das kann man sagen“, lässt der heute 35-Jährige etwas raus über frühe Prägung. Seine Mutter malt selbst. Heute ist der Sohn so weit, dass er an eine freie Existenz denkt mit dem Bildermachen, mit dem Verfertigen von inneren Bildern. Reif so weit für die Außenwelt, dass sie in einer Stuttgarter Galerie zum Verkauf stehen.

Magischer Realismus, Surrealismus, auch das Farbdelirium der Pop-Art. Es gibt schon längst ein paar, teils einfach unvermeidliche Etiketten für das nicht zu knappe Werk des jungen Waiblinger Malers.

Nassforsch-naiv geht er schon mal gar nicht ran. Dafür weiß er zu viel. Er hat schließlich an der Merz-Akademie in Stuttgart Grafik gelernt. Weiß, was die Welt von einem deutschen Designer sehen will. Klare Kanten und rechte Winkel. Aber da sind ja seine inneren Bilder. Und wenn man von außen Motivforschung im jungen Timo betreiben will, dann hat das Kind damals nicht nur Dalí zu sehen bekommen, sondern ebenso den Bilderbuchklassiker „Die Wurzelkinder“, und wie die lieben Erdlinge in Reih und Glied zum Gruße des Frühlings in die Au ziehen. Wirklich tieferdig, warmherzig illustriert.

Vielleicht führt das zur Erklärung, dass Timo Meyer für seine Herbstausstellung eher Tannen in den Sinn kommen. Schemen für seine Allegorien auf das schlecht Sichtbare, aber doch irgendwie Ahnende. Was alles dahinter kommen könnte. So tief gestaffelt. Unberechenbarer dunkler Tann.

Jetzt, zur erneuten Schau, diesmal groĂź angelegt in der Strzelski Galerie, lassen sich die themengebenden Werke unter dem Titel jukebox buggy schon stimmungshebender ins GemĂĽt laden. Jungs radeln festen Blicks und Griffs inmitten eines Durcheinanders, das seine totale Verunklarung durch eine Chlorophyll-Explosion bekommen hat. Meyer, als der nun wirklich guttuende FrĂĽhlingsbote.

Nein, so kalkulierend geht er nicht an die Sache. Allenfalls sagt er sich, er dürfe sich jetzt auch was trauen. Früher stand er vor den Drinnen/ Draußen- Vexierbildern eines Neo Rauch oder den neuen Mysterienspielen des jungaltmeisterlichen Jonas Burgert und sagte sich, oh shit!, „die sprechen aus, was ich sagen will“. Heute habe er genug Selbstbewusstsein aufgebaut, um mit seiner Welt dagegenzuhalten. Auf jeden Fall werden sich Menschen drin verlieren. Die Tannen sind so weit perdu. „Ich komme eher vom Figürlichen und will da wieder hin.“

Eine Spezialität aber soll ihm bleiben. Der Einbau der Wirklichkeit in seine Bildwelten nimmt oft etwas Bau-Stoffliches an. Nehmen wir das Foto, dort das Bild links. Der Mann mit seinem Flammen-Tutu um seine Hüfte wird verortet und gehalten inmitten eines Fries aus Kacheln. Es lodert und züngelt, aber wir bauen auf dieses Hitzeschild. Es sind nur Bewährungsproben, extra eingerichtete Kammern für die Feuertaufen. Danach raus und ab mit dem Radelrutsch.

 

Gerhard Charles Rump, RAR Gallery, Berlin, Juli 2013

Heimat ĂĽberall!

Heimat verweist zunächst auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Es ist der Raum, in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden und die damit Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen. Doch was verbirgt sich in der heutigen Zeit für uns Menschen, für jeden Einzelnen hinter Heimat? Ein Ort, ein Gefühl, ein uns prägendes Sozialerlebnis?

Timo Meyer fängt in seiner Ausstellung „Heimat ĂĽberall…“ die Suche nach Heimat ein. Sein Weg, sein Schaffen und sein dauernder Kampf spiegeln sich in seinen Werken wieder. Räumliche, zeitliche, soziale und kulturelle Dimensionen von Heimat werden dabei bildhaft spĂĽrbar, regen an und verschmelzen wieder zu einem groĂźen Ganzen. Timo Meyer zeichnet dadurch ein umfassendes Bild der Beziehung zwischen Mensch und Raum mit Leidenschaft und Intensität, gepaart mit Kreativität. Seine symbolhafte und farbenfrohe Bildsprache ermöglicht einen metaphorischen Dialog zwischen Bild und Betrachter, der sich auf einer höheren Ebene zum erleben verdichtet.

Ist Heimat einfach da, wo wir glĂĽcklich sind? Heimat, wo unser Herz zu Hause ist? Oder: Ist Heimat ĂĽberall?!

 

Kunsthaus ARTES, Hannover, Dezember 2013

http://www.kunsthaus-artes.de/de/23961/Meyer-Timo?artistPage=true

Timo Meyer

Die großformatigen Tannen-Gemälde sind zu seinem Markenzeichen geworden. 1977 in Waiblingen geboren, absolvierte Timo Meyer zunächst ein Designstudium und unternahm ausgedehnte Reisen, bis er sich für die Malerei entschied. Meyer studierte an der Merz Akademie in Stuttgart sowie in England und Spanien. Er belegte unter anderem Kurse bei Markus Lüpertz.

In seinem 200 Quadratmeter großen Atelier in seiner Geburtsstadt entstehen Werke, die sich mit dem Heimatbegriff auseinandersetzen. Das häufig wiederkehrende Symbol der Tanne ist hierfür ein Platzhalter. Meyer fordert den Betrachter zu einem metaphorischen Dialog mit dem Bild auf und untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Raum. In der Monumentalität seiner Arbeiten und ihrer symbolhaftfarbintensiven Bildsprache erinnern die Werke des Nachwuchskünstlers stilistisch an Neo Rauch.

 

WKZ, Nr. 149, Samstag 30. Juni 2012, von Rike Sohn

Das Seufzen der Betonmauer

Der Hegnacher Maler Timo Meyer kann einen mit seinem Werk ziemlich sprachlos machen.

Waiblingen.

Geometrische Formen, dĂĽstere bis hell-grelle Farben sowie Elemente aus Pop-Art und Comic sind nur ein Teil des Crossovers des Malers Timo Meyer aus Hegnach. Seine surrealistisch-naturalistischen Bilder machen oft auch gerade wegen der Details sprachlos. Dann aber kommen die Fragen.

Timo Meyer macht keine schnellen Sachen. Der 34-jährige Künstler kam erst relativ spät zur Malerei, dafür aber umso konsequenter: Aufgewachsen in Bittenfeld, studiert er in Stuttgart Medien und Kommunikation und zieht nach Abschluss des Masters nach Spanien. Da man von Kunst allein auch in Spanien schwer leben kann, beginnt er für Galerien zu arbeiten.

Nach der Arbeit malt er in seinem kleinen Zimmer in Madrid. Für größere Formate weicht er später in das leere Schwimmbad seiner Eltern aus. Inspiriert ist er unter anderem durch das aktuelle Weltgeschehen sowie die Maler der Neuen Leipziger Schule, wie zum Beispiel Neo Rauch. Geometrisch strikt bis magisch-realistisch, umfassen Timo Meyers Werke einen surreal-naturalistischen Crossover an Techniken und Einflüssen. „Stil ist ein stetiger Entwicklungsprozess“, sagt der junge Maler.

Wenn er nicht malt ĂĽberdenkt er die Bilder

In seinem Atelier in Hegnach befinden sich auf rund 200 Quadratmetern Bilder, in allen Formaten, Skizzen, Farben und Farbmischungen über Wände, Tische und Boden. Stell- und Leinwände hängen voller Bilder, vollendet oder noch in Arbeit. Schubladen und ausziehbare Wände enthüllen weitere Schätze in Acryl.

„eigentlich arbeite ich immer. Wenn ich nicht male, überdenke ich Bilder neu und entwickle sie gedanklich weiter. Die Ausführung ist dann der kleinere Teil des Prozesses.“ Manchmal überarbeitet er Bilder über Monate hinweg, andere sind innerhalb von kürzester Zeit auf Leinwand gebannt.

Manche seiner Werke sind geprägt durch Pop-Art und Comic-Elemente: Da seufzt zum Beispiel eine Betonmauer neben einer dunklen Tanne und drei Punkte und ein Ausrufezeichen sind sprachlos. Andere Werke wirken durch ihre suggestiven Details, die sich gegen eine undurchlässige Dunkelheit abheben. In „Gegengift“ erobert sich die Natur ihr Territorium gewaltsam zurück.

Nachdem sein Werk in Beijing, Madrid, und Deutschland ausgestellt wurde, ist Timo Meyer seit 2008 zurück im Rems-Murr-Kreis. Zur Zeit ist er auf der Suche nach einem Galeristen. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden, aber der gebürtige Schwabe hat keine Eile. Es ist ihm wichtig authentisch zu bleiben.

Eine Balance zwischen seinem kĂĽnstlerischen Schaffensprozess und der Ă–ffentlichkeit zu bewahren. Sich langfristig, aber dafĂĽr nachhaltig zu entwickeln. Man darf gespannt sein auf die weitere Entwicklung des jungen Malers.

Wir meinen: Es lohnt sich, dabei zu bleiben. Und irgendwann Worte zu finden fürs große Bilderrätsel.

 

Mario Strzelski, Strzelski Galerie, Stuttgart, August 2012

Timo Meyer – Malerei

Timo Meyer (*1977) führt Situationen wie Traumbilder vor. Er lässt rätselhafte Geschehnisse entstehen die auf eine unheimliche, sinnentleerte Welt zu verweisen scheinen. Etwas Bedrohliches schwingt mit, ob es aktuell dechiffriert werden kann oder nicht, es ist spürbar. Seine Malerei lässt sich nicht kategorisieren. Die Werkimmanenz schöpft aus einem Crossover – einer Mischung von Stilen und Einflüssen. Elemente aus Pop Art, Surrealismus aber auch Tendenzen aus dem Realismus und Naturalismus sind fest in seinem Schaffen verankert. Doch von einer bloßen Verankerung kann bei ihm nicht die Reden sein. Er interpretiert jene Stile neu und wagt die Übersetzung in eine eigene Formen- und Farbensprache. Jene Übersetzung ist tiefgründig und vor allem vielschichtig. Die klassische Unterteilung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund ist bei Timo Meyer verschwunden und erzeugt eine außergewöhnliche Verschmelzung der Bildelemente.

Eine gewaltige Tanne ragt aus den Tiefen der Leinwand empor, tropfend nimmt ihre dunkle Farbe die Fläche in Besitz. Unterbrochen wird die Dynamik des Wachsens durch eine langgezogene Häuserwand, die förmlich dem Betrachter entgegen schießt. Das Zusammenspiel von Tanne und Haus bleibt jedoch nicht lange ungestört: ein farbiges Raster umschließt das Geschehen. Das Raster ist ein stets wiederkehrendes Element in Meyers Arbeiten. Doch nicht erst seit Deleuze ist die Wiederholung auch ein Differenzen erzeugendes Unterfangen. Mal suggeriert der in Waiblingen lebende Künstler mit den aneinander gereihten Quadraten illusionistische Raumtiefe, mal formiert er sie zu einer strengen Grundordnung. Nicht selten scheinen surrealistisch anmutende Figuren in der klaustrophobischen Rasterfülle zu ersticken um an anderer Stelle aus dem Raster hervorzubrechen.